Mann und Frau im Gespräch bei der Paartherapeutin

Dies ist ein weiterführender Artikel zum Thema Bindungsstile. Den Artikel finden Sie hier.

Fallbeispiel 1: „Ich brauche dich – du erdrückst mich“

Anna (ängstlicher Bindungsstil) und Markus (vermeidender Bindungsstil)
Anna wünscht sich häufige Gespräche, Nähe und Rückversicherung. Wenn Markus nach der Arbeit Zeit für sich braucht, fühlt sie sich schnell ungeliebt. Sie fragt nach, wird emotional, sucht Nähe.

Markus erlebt Annas Bedürfnisse als Druck. Je mehr sie Nähe sucht, desto stärker zieht er sich zurück – manchmal schweigend, manchmal genervt.

Typische Dynamik:

  • Annas Nähebedürfnis aktiviert Markus’ Rückzug
  • Markus’ Rückzug verstärkt Annas Angst
  • Beide fühlen sich missverstanden

Therapeutischer Wendepunkt:

Beide erkennen:

  • Annas Verhalten entspringt Bindungsangst, nicht Kontrolle
  • Markus’ Rückzug ist Selbstschutz, keine Ablehnung

Erst dieses Verständnis ermöglicht neue Nähe.

Fallbeispiel 2: „Wir sind uns nah – aber reden kaum darüber“

Laura und Tobias (beide eher sicher gebunden)
Das Paar erlebt grundsätzlich Verbundenheit. Konflikte werden angesprochen, Nähe und Distanz flexibel geregelt. Trotzdem wünschen sie sich mehr emotionale Tiefe.

Typisch:

  • Wenig eskalierende Konflikte
  • Gute Autonomie
  • Nähe wird selten bewusst gestaltet

Therapeutischer Fokus:
Nicht „Reparatur“, sondern Vertiefung: bewusste Nähe, emotionale Sprache, gemeinsame Reflexion.

Fallbeispiel 3: Nähe als Sehnsucht und Bedrohung zugleich

Miriam (ambivalenter Bindungsstil) und Jonas
Miriam sucht intensive Nähe, wird dabei aber schnell misstrauisch oder überfordert. Nach Phasen großer Verbundenheit zieht sie sich abrupt zurück.

Jonas ist verunsichert: „Ich weiß nie, ob ich ihr zu nah oder zu fern bin.“

Typisch:

  • Wechsel zwischen Nähe und Rückzug
  • Hohe emotionale Intensität
  • Angst vor Abhängigkeit und Verlassenwerden zugleich

 In einer Paartherapie wird Raum geschaffen, um Stabilisierung zu erfahren, das Tempo zu regulieren und im geschützten Rahmen Sicherheit im Kontakt aufbauen zu können.

Ein erstes Gespräch kann helfen, die eigene Situation besser zu verstehen – ohne sofortige Entscheidung. Kommen Sie gern auf mich zu.