junges Ehepaar im Gespräch bei der Paartherapie

Konflikte und Bedürfnisse

Viele Paare erleben ihre Konflikte als zermürbend gleichförmig und berichten in der Paartherapie etwas sehr Ähnliches: „Wir streiten eigentlich immer über dasselbe – nur mit anderen Worten.“ Ob es um Kindererziehung, Haushalt, Sexualität, Eifersucht, Geld oder Zeit geht – die Themen scheinen sich endlos zu wiederholen. Das führt oft zu Frustration, Resignation und dem Gefühl, im Kreis zu laufen.

Doch diese Wiederholungen sind kein Zufall. Sie folgen einer inneren Logik.

In der Paartherapie zeigt sich in der Regel: Das Streitthema ist nicht das eigentliche Problem. Auch hinter scheinbar oberflächlichen Themen stehen tiefe emotionale Bedürfnisse.

So steckt hinter einem Streit über das Zuspätkommen oft das Bedürfnis, dem anderen wichtig zu sein, Verlässlichkeit oder Sicherheit zu spüren. Bei Konflikten um Sexualität geht es in aller Regel um Nähe, Bestätigung oder Angst vor Zurückweisung. Bindungs- oder Verlustängste führen dazu, dass Partner*innen sich kontrolliert, bedrängt oder ignoriert und alleingelassen fühlen.

Solange diese tieferen Bedürfnisse unerfüllt und unbesprochen bleiben, kehrt der Konflikt immer wieder zurück – selbst wenn man das Gefühl hat, das Thema schon „tausendmal besprochen“ zu haben.

Viele wiederkehrende Paarkonflikte sind Wiederholungen früher Beziehungserfahrungen.

Wir alle haben innere Muster, die wir in Beziehungen mitbringen: Wie wurde Nähe erlebt? Wie wurde mit Konflikten umgegangen? Wie mit Gefühlen? Gab es emotionale Verfügbarkeit – oder eher Kritik, Kontrolle oder Rückzug?
Diese frühen Prägungen wirken im Erwachsenenleben weiter. In der Partnerschaft werden sie besonders aktiv, weil hier Nähe, Abhängigkeit und Verletzlichkeit entstehen. Während Menschen zum Beispiel im beruflichen Kontext oder im Zusammensein mit Freunden oder Bekannten kaum etwas von diesen Mustern spüren oder zeigen, werden diese „zu Hause“ wirksam, was durch den Partner bzw. die Partnerin einmal mehr als unverständlich und frustrierend erlebt werden kann.

Im Streit – insbesondere in der eigenen Partnerschaft – zeigen Menschen meist nicht ihre Verletzlichkeit, sondern Schutzstrategien. Dazu gehören Angriff, Rückzug, Rechtfertigung, Erduldung, Kontrolle, Ironie oder Abwertung. Diese Strategien sollen vor Schmerz schützen – verhindern aber gleichzeitig echte Nähe und das Finden guter und nachhaltiger Lösungen, die die Bedürfnisse beider erfüllen und langfristig als positiv erlebt werden.

Was hilft, um aus der Wiederholung auszusteigen?

In der Paartherapie geht es deshalb immer um mehr als Streitlösung. Vielmehr geht es darum, sich selbst und den anderen besser kennenzulernen, neues Verständnis zu schaffen, Dynamiken zu erkennen und Wege zu finden, diese so zu verändern, dass die Bedürfnisse beider gesehen, berücksichtigt, erfüllt werden können. Schritte auf diesem Weg sind:

Verstehen ermöglichen: Welche inneren Themen werden bei mir aktiviert? Was fürchtet mein Partner / meine Partnerin in diesem Moment?

Emotionale Bedürfnisse erkennen – bei sich und beim anderen: Was brauche ich wirklich – jenseits des Vorwurfs? Welche Sehnsucht, welche Angst, welcher Wunsch steckt eigentlich hinter meiner Reaktion? Und wie könnte es bei meinem Partner / bei meiner Partnerin aussehen?

Den gemeinsamen Kreislauf sichtbar machen: Nicht: „Du bist das Problem,“ sondern: „Unser Muster ist das Problem.“

Neue emotionale Erfahrungen ermöglichen: Gehört werden, ernst genommen werden, nicht bewertet oder verurteilt werden, sicher streiten dürfen

Neues Wissen: emotionale Grundbedürfnisse und ihre Bedeutung, Bindungsstile und Beziehungsdynamiken, Teufelskreise und Eskalationsmuster, Selbstakzeptanz-, regulation und -mitgefühl, Tools für eine gute Paarkommunikation und vieles mehr

Kurzum: Wiederholte Konflikte weisen auf ungelöste emotionale Themen hin, die gesehen werden wollen. Paare streiten immer wieder über dieselben Themen, weil es nicht um das Thema geht – sondern um Bindung, Sicherheit und emotionale Nähe.

Wenn diese Ebene verstanden wird, entsteht die Chance auf echte Veränderung. Nicht durch neue Argumente – sondern durch neue Erfahrungen.

Ein erstes Gespräch kann helfen, die eigene Situation besser zu verstehen – ohne sofortige Entscheidung. Kommen Sie gern auf mich zu.

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  • Warum streiten wir immer wieder über die selben Themen?: stock.adobe.com © Zamrznuti tonovi