Dies ist ein weiterführender Artikel zum Thema Bindungsstile. Den Artikel finden Sie hier.
Übung 1: Mein Bindungsradar
Ziel: Eigene Nähe-Distanz-Muster erkennen
Jede*r beantwortet für sich (schriftlich oder im Gespräch):
- Wann wünsche ich mir besonders viel Nähe?
- Wann brauche ich Rückzug?
- Wie zeige ich mein Nähebedürfnis?
- Wie zeige ich mein Distanzbedürfnis?
- Was triggert meine größte Bindungsangst?
Anschließend Austausch ohne Diskussion. Nur zuhören und verstehen.
Übung 2: Übersetzen statt reagieren
Ziel: Bindungsverhalten neu deuten
Wenn ein Konflikt entsteht, ergänzt innerlich (oder laut):
- Statt: „Du ziehst dich immer zurück!“
→ „Ich merke, du brauchst gerade Sicherheit durch Abstand.“ - Statt: „Du klammerst!“
→ „Du brauchst gerade Nähe, um dich sicher zu fühlen.“
Diese „Übersetzung“ verändert oft sofort die emotionale Qualität des Gesprächs.
Übung 3: Das Nähe-Distanz-Gespräch (strukturierter Dialog)
Ablauf (10–15 Minuten):
- Person A spricht:
- „Wenn ich Nähe brauche, fühlt sich das so an …“
- „Was mir dann helfen würde, wäre …“
- Person B spiegelt:
- „Ich habe verstanden, dass …“
- Rollenwechsel
Keine Lösungen, keine Diskussion – nur Verstehen.
Übung 4: Der sichere Ort in der Beziehung
Ziel: Innere Sicherheit stärken
Jede*r beantwortet:
- Wann fühle ich mich in unserer Beziehung sicher?
- Was tust du dann – was tue ich?
- Welche kleinen Gesten vermitteln mir Sicherheit?
Diese Ressourcen werden bewusst benannt und im Alltag wiederholt.
Übung 5: Nähe dosieren (besonders bei Nähe-Distanz-Dynamiken)
Vereinbarung für eine Woche:
- feste Zeiten für bewusste Nähe (z. B. 20 Minuten Gespräch)
- klare Zeiten für Rückzug ohne Rechtfertigung
Nähe wird verlässlich, Distanz nicht bedrohlich.
Das Entscheidende ist nicht der Stil, sondern der Umgang damit
In der Paartherapie zeigt sich immer wieder:
- Bindungsstile erklären Verhalten – sie entschuldigen es nicht
- Veränderung entsteht durch emotionale Sicherheit
- Paare brauchen weniger Techniken als Verständnis füreinander
Fazit
Nähe-Distanz-Konflikte sind oft der Ausdruck alter Bindungserfahrungen, die in der Gegenwart wieder lebendig werden. Wenn Paare lernen, diese Muster zu erkennen und zu benennen, entsteht Raum für neue Beziehungserfahrungen – jenseits von Rückzug und Klammern.
Ein erstes Gespräch kann helfen, die eigene Situation besser zu verstehen – ohne sofortige Entscheidung. Kommen Sie gern auf mich zu.

